Einbildungszeit   ≠   Wahrnehmungszeit, Kunst synchronisiert ≠

Wer weiß, wie Kunst aussieht, hat vergessen, warum er sie macht.

Dieser Satz muß, ganz ohne daß ich ihn expressis verbis vernommen hätte, etwa 30 Jahre meines praktischen Umgangs mit Bildern geprägt haben. Er fiel mir recht spät auf. Genau in einem Moment, als ich erfolgreich gegen alle Forderungen des Kunstmarktes nach eindeutigen und wiedererkennbaren Leistungsmerkmalen verstoßend, das Breitband meiner visuellen Entwicklungen verteidigen mußte. Und es waren beileibe kein Gartenzwerge, denen ich meine Kampfansage entgegen schleuderte.

Aber wie konnte es soweit kommen? Ich hätte ja nur meinen Kernkompetenzen die Treue halten brauchen. Aber nein! Immer dann, wenn mir etwas leicht von der Hand ging, wurde mein Mißtrauen wach. Meine Neugierde entschied konsequent. Auch finanziell erfolgreiche Entwicklungslinien wurden mittelfristig eingestellt. Immer dann, wenn aus Schleichwegen Nebenwege wurden, waren die Tage verdichteter Trampelpfade angezählt. Linie ist eben keine Form, sondern Haltung in Prozeß. Erstarrung ist keine aktive Haltung. Brüche im Sinne von Lösungen sind Teil des Ganzen. Dachte ich mir. Klärungen sind gefilterte Lösungen. Filter?

Die Schwierigkeiten, die meiner offenen Herangehensweise eigen sind, blieben mir sehr lange verborgen. Es fanden sich ja Bestauner meiner Werke, aber eben je nach Ausrichtung dessen, jeweils andere. Die einen liebten die Fußnägel meiner gemalten Akte, die anderen deren Wimpern oder deren Lachfalten.

In seiner Blüte reichte der Claim, in dem ich visuelles Gold wusch, von figürlicher Malerei bis Zeichnung — in Interieurs — in Malerei von Farbflächen— in Subjekte (höchst lebendige kleine ‘Objekte’)— in Spielfelder— in digitale Kunst — in Video. Überall entstand etwas Aufregendes, verwirrend Kontrastierendes. Konstellationen. Ungetönt ausschweifende, streunende visuelle Bewegnungen zeigen sich halt ‘lichten Auges’ selten homogen aber synoptisch.

Und es kam, wie es kommen mußte: Irgendwann brach sich das Desaster einfach seine Bahn. Worauf kann ich mich mit dem Betrachter meiner Kunst verabreden? Diese Frage wurde mehr und mehr bedrängend. Auf welchen Nenner dies alles reduzieren?

Polyästhetik? Nein, das ist zu ästhetisch. Also gut: Schön! Dafür gibt es ja auch keinen Begriff. Schon besser, aber wie weiter? Dies erkennend, sehnte ich mich regelrecht nach einem grundlegenden gedanklichen Beziehungsfeld. Da ich kein akzeptables fand, definierte ich:

Einbildungszeit® ≠ Wahrnehmungszeit,
Kunst synchronisiert ≠

Da ich den Begriff Einbildungszeit® nun schon mal als Patent erworben hatte, mußte schlichterdings Klarheit her. Was in aller Welt vermögen jener Begriff und jenes Axiom zu leisten? Jetzt begann die theoretische Feldarbeit. Hier will ich nur wissen: auch dieser Acker wird irgendwann so weit verdichtet sein, daß ich ihn verlassen werde. Warum jene Setzung ganz entscheidend ist, verraten die folgenden Seiten. Alles Weitere zu seiner Zeit.