Angela Grasser

Es ist gar nicht lange her, daß ich ganz unvorbereitet, Angela Grasser und ihrer ‘Zeit: Baustelle’ das erste Mal begegnete. Angelas Konstellation bestand, neben akkurat auf Fensterglas getuschtem Mauerwerk, aus sehr fein formulierten Zeichnungen, ihrem Video ‘Zeitlupe’ und vier schmutzig-orangenen Betonmischern. In ihrer entfremdeten Präsenz und bei gedrückter Pausentaste wirkten diese Werkzeuge der Seßhaftigkeit für sich schon recht bezwingend.

Ganz unwiderstehlich aber erschien mir der Sog, der von diesen ausging, als nach verspielter Inbetriebnahme aus deren klaffenden Schlündern differenzierte Rhythmik —immer etwas ’off beat’— dröhnte. Vorsorglich wurden Ohrenstöpsel verteilt. Einmal in Schwung drehen sich Betonmischer zuverlässig. Sie arbeiten dann. Werke und Spiele aber können scheitern. Immer. Wie und geht es dann weiter? In jedem Spiel liegt Verschwendung, die kaum Vergeudung ist, da wir doch gerade im Spielen Welt finden. Jetzt mischt die vorzeitliche Minimalmusic der Betonmischer eine Brücke in das Video Zeitlupe. Dort entfalten Deformationen unseres liebsten Kindes ‘Auto’ via gefilmter und ganz genau geschnittener Spannungen ihr Eigenleben: Ding. Nicht ganz unähnlich John Carpenters ‘Christine’, jener Limousine, die sich partout weigert, verschlissen und ausrangiert, bloßer Schrott zu sein.

Zeitlupe: deren drei bis vier Minuten vergrößern aber doch auch ganz verschieden. Deren Filmminuten sind frei von jeder Dramatik und von Schmerz, aber voller eigener Ästhetik. Und wie geht das, da doch das Rohmaterial. Crashfotos aus der Presse, Schock transportiert. Ich bin sehr glücklich, daß Angela die Einladung zu dieser Ausstellung ohne Zögern begrüßte.

Angela Grasser