Irene Fehling

Als ich 2003 an der Ausstellung ‘Lokal Arts’ teilnahm, blieb mein Blick an klitzekleinen Figuren hängen, die im Detail mit äußerster Aufmerksamkeit geformt sind. Es waren die geheimnisvoll charmanten Wesen von Irene Fehling. Irene sagt dazu, deren geringe Größe würde ihrem Bedürfnis folgen, den Prozeß des Modellierens in ihren Händen zu halten. Bei großen Gestalten wirkt deren Gewicht. Dieses wirft Probleme der Statik auf, die nur in komplizierten Berechnungen gelöst werden können. Ein inneres Gestell wird erforderlich, mit und an dem tragende und lastende Teile exakt einwogen werden müssen. Beides lenkt ab und zudem die Leichtigkeit um, mit der ein gestaltendes Auge, das über unterschiedliche Volumina schweift, diese einwiegt. Bei Irenes Figuren übernehmen ganz direkt ihre modellierenden Hände die statischen Funktionen des Prozesses. Sie dynamisieren diese und diesen. Der taktilen Schaffensfreude, die so freigesetzt ist, entkommt im Verbund mit ihrer visuellen Aufmerksamkeit keine Haarsträhne, kein Hemdenknopf, keine Taste einer Telefontastatur, solange all dies nicht mit maximaler Präsenz aufgeladen ist. In dieser erscheint jeder Millimeter riesig.

Es ist nur konsequent, daß jene Präsenz in das Medium der Fotografie übersetzt wird. Diese vergrößert kleinste kaum wahrnehmbare Arbeitsspuren auf der Oberfläche der Figuren. Beides taucht auf und tritt in einer Spannung zwischen Detail und Ausmaß nach außen. Diese Spannung selbst wird, als ebenso selbstverständlicher wie beiläufiger Teil jeder Wahrnehmung, ganz irritierend fühlbar. Introversion. Extroversion. Nachbarn beleben die verschiedenen Orte eines Gefüges, das den Zusammenhang stiftet. Raum ist Gestaltung, wenn er menschlich ist. Den beiden Räume aus Irenes Werkstatt, die in der Austtellung ‘Zaungäste’ zu sehen sein werden, liegt das gleiche Prinzip zu Grunde, nach dem sie ihre Nachbarn ins Leben ruft. Glasklar, daß Irene gleich bei mir um die Ecke wohnt.

Irene Fehling